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  Was ist Endometriose?

Die Endometriose ist ein komplexes, gutartiges Krankheitsbild welches trotz intensiver Forschung in vielem immer noch rätselhaft ist. Sie beeinträchtigt nicht nur das körperliche WohIbefinden, sondern kann auch seelische Folgen haben, welche eine Partnerbeziehung empfindlich stören können.

Die Häufigkeit der Endometriose in der weiblichen Bevölkerung ist unbekannt; man schätzt, dass 4–7% der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter daran erkranken.

Der Name Endometriose stammt vom Wort «Endometrium» ab. Das Endometrium ist die Schleimhaut, die sich in der Gebärmutterhöhle bildet und jeden Monat mit der Menstruation ausgestossen wird. Wenn Endometrium ausserhalb der Schleimhautschicht der Gebärmutter vorkommt, spricht man von Endometriose.

Dorthin gelangt es:
  • durch direktes Einwachsen in die Gebärmutterwand
  • durch Verschleppung während der Menstruation, rückwärts über die Eileiter in die Bauchhöhle
  • oder über Blut- und Lymphgefässe auch an entferntere Körperstellen

Man unterscheidet folgende Endometriose-Formen:

  • Endometriosis genitalis bei Verteilung im Bereich der Gebärmutter- wand, der Eileiter, der Haltebänder der Gebärmutter, der Eierstöcke, auf dem Blasendach und an anderen Stellen des Bauchfelles im Beckenbereich oder zwischen Scheide und Enddarm.
  • Endometriosis extragenitalis bei Vorkommen ausserhalb der Fort- pflanzungsorgane, z.B. im Bereich von Darm, Operationsnarben und ausserhalb der Bauchhöhle.

   

   

   

Ebenso wie die normale Gebärmutterschleimhaut unterliegt auch die Schleimhaut ausserhalb der Gebärmutterhöhle meistens dem normalen hormonellen Einfluss der Eierstöcke; sie schwillt an, zeigt Wachstumstendenz und kann Knötchen bilden. Blutungen (wie bei der Menstruation) verursachen eine Entzündung und Reizung des umgebenden Gewebes. Oft kommt es zur Bildung von Narbengewebe und zum Teil zu ausgedehnten Verwachsungen. Es können sich aber auch sogenannte Endometriome bilden, d.h. Blut, das nicht abfliessen kann, sammelt sich in Hohlräumen an. Solche Endometriome finden sich vor allem im Bereich der Eierstöcke. Aufgrund des dunkelbraunen Inhaltes spricht man auch von «Schokoladezysten».

  Diagnose

Wie äussern sich die Beschwerden?

Manchmal fehlen sie völlig.

Häufiger ist jedoch eine Vielzahl an Beschwerden. Das häufigste Krankheitszeichen ist die, im Laufe des Lebens, schmerzhafter werdende Monatsblutung (sekundäre Dysmenorrhoe). Darüber hinaus sind Unterbauchschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (sekundäre Dyspareunie) typisch. Ebenfalls können Blutungsstörungen vorkommen.

Ein weiteres häufiges Symptom ist die ungewollte Kinderlosigkeit (Sterilität). 30-40% der Frauen mit Endometriose sind unfruchtbar. Tatsächlich wird bei vielen, sonst beschwerdefreien Frauen, eine Endometriose erst entdeckt, wenn sie wegen ausbleibender Schwangerschaft durch einen Arzt weitere Abklärungen vornehmen lassen.

Die Endometriose kann eine Vielzahl zusätzlicher Beschwerden verursachen, die insgesamt aber selten sind: schmerzhaftes Wasserlösen, blutiger Urin, schmerzhafte Darmentleerung, Blut im Stuhl, Darmverschluss und viele andere mehr. All diese Beschwerden können bei vielen Krankheiten auftreten. Sie sollten jedoch immer an die Möglichkeit einer Endometriose denken lassen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Endometriose-Verdacht kann nur operativ bestätigt werden, in der Regel mittels einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei wird, in Allgemeinnarkose, durch einen etwa 1 cm langen Schnitt im Bauchnabelbereich ein optisches Instrument in den Bauchraum eingeführt. Mit diesem können die Bauch- und Fortpflanzungsorgane direkt betrachtet werden. Auch die Entnahme kleinerer Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung ist möglich.

Bei der Abklärung ungewollter Kinderlosigkeit wird zusätzlich ein blauer Farbstoff in die Gebärmutter eingespritzt, um die Eileiterdurchgängigkeit zu prüfen.
Entsprechend der so ermittelten Diagnose kann ein Behandlungsplan festgelegt werden.
   

  Behandlung

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Reihe von Behandlungen hat sich zur Beseitigung von Beschwerden und zur Eindämmung des Krankheitsbildes als wirksam erwiesen. Eine endgültige Heilung ist jedoch nicht sicher.

Die Behandlung richtet sich nach:

  • Beschwerdebild
  • Lokalisation und Ausdehnung der Endometriose
  • Alter
  • Kinderwunsch der Patientin

Es gibt folgende Behandlungsmöglichkeiten:

Medikamentös:
  • symptomatisch (schmerzlindernd)
       
    Entzündungshemmende Schmerzmittel oder moderne Antibaby-Pillen können Schmerzen lindern; der Krankheitsverlauf der Endometriose wird aber nicht beeinflusst.
       
  • hormonell - heute kommen vier Präparategruppen zum Einsatz
      
    Gemeinsam ist all diesen Substanzen, dass sie am Endometriose-Gewebe zu einem Entzug der Östrogene (Hormon der Eibläschen) führen, wodurch sich die Endometriose-Herde zurückbilden. Es kommt zum Einschmelzen und Vernarben der Herde. Als Zeichen des Hormonentzuges kommt es zum Ausbleiben der Menstruationsblutung; der Körper befindet sich vorübergehend in einem Zustand ähnlich der Schwangerschaft (Gestagene) oder der Wechseljahre (Danazol, Gestrinon, GnRH-Agonisten).
    Alle Medikamente sind ähnlich wirksam. Sie unterscheiden sich vor allem in der Art der Nebenwirkungen, der Anwendungsdauer und der Verabreichungsart.

        
    • Gestagene
         
      Die Behandlungsdauer, in Form einer täglichen Tabletten-Einnahme oder Spritzenapplikation in ein- bis dreimonatlichen Abständen, erstreckt sich über mindestens ein halbes Jahr. Die Nebenwirkungen sind ähnlich den Beschwerden, wie sie vor der Periode auftreten können: Flüssigkeitsansammlung und Stimmungsschwankungen. Die häufigsten Nebenerscheinungen sind jedoch gelegentliche Blutungen, mässige Gewichtszunahme und Blähungen. Nach Absetzen der Gestagene bleibt der Eisprung unter Umständen monatelang aus, weshalb diese Therapieart bei Kinderwunsch nicht angewendet werden soll.
         
    • Danazol
         
      Es unterdrückt die Eierstockfunktion, wodurch der Körper in einen vorübergehenden, wechseljahr-ähnlichen Zustand (Pseudomenopause) versetzt wird. Die Auswirkungen auf die Endometriose sind prinzipiell mit denjenigen der Gestagene identisch. Weil Danazol dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron ähnelt, kommt es zu entsprechenden Nebenwirkungen: fettige Haut, Akne, Gewichtszunahme, vermehrte Behaarung an unerwünschten Stellen, ganz selten zu einer tieferen Stimme. Die Behandlung umfasst eine Tabletten-Einnahme (3-4x täglich) während mindestens
      6 Monaten. Nach Therapieende bilden sich die Nebenerscheinungen gewöhnlich zurück.
          
    • Gestrinon
         
      Hinsichtlich Wirkungsmechanismus, Nebenwirkungen und Behandlungsdauer ähnelt Gestrinon dem oben beschriebenen Danazol. Der Vorteil liegt darin, dass nur 2–3x pro Woche eine Kapsel eingenommen werden muss.
          
    • GnRH-Agonisten (Gonadotropin - Releasing - Hormon - Agonisten)
          
      In den letzten Jahren ist eine neue Substanzgruppe zunehmend in den Vordergrund gerückt. Botenstoffe (Gonadotropine) aus der Hirnanhangsdrüse stimulieren die Eierstöcke zur Östrogen-Produktion. GnRH-Agonisten unterdrücken die Ausschüttung dieser Botenstoffe. Dadurch wird die Östrogenproduktion noch viel stärker unterdrückt als mit den vorher geschilderten Medikamenten. Die Frau befindet sich in einem wechseljahr-ähnlichen Zustand. Im Gegensatz zur chirurgischen Entfernung der Eierstöcke ist die medikamentöse Unterdrückung der Eierstockfunktion aber nur vorübergehend. Da die Endometriose-Herde nun durch die Östrogene nicht mehr angeregt werden, können sie schrumpfen und «ausbrennen». Die Verabreichung der GnRH-Agonisten erfolgt durch eine monatliche oder dreimonatliche Injektion. Es handelt sich um sogenannte Depotpräparate, deren Wirkstoff im Verlaufe eines Monats bzw. 3 Monaten freigesetzt wird. Die Behandlung dauert 3-6 Monate. Die Nebenwirkungen sind durch das Prinzip der Behandlung bedingt. Es sind Symptome der frühen Wechseljahre: Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen, trockene Scheide. Es kommt auch zu einem geringen Kalziumverlust der Knochen, welcher sich aber innert einem halben Jahr nach Behandlungsende wieder ausgeglichen hat.
          
      Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Hormonersatz-Therapie mit täglich niedrig dosierten Östrogenen und Gestagenen die Häufigkeit von Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche, trockene Scheide, Knochendichteverlust zu reduzieren vermag. Gleichzeitig wird aber die Wirksamkeit (Verbesserung der Symptomatik) der GnRH-Agonisten nicht beeinträchtigt.
         
         
Chirurgisch

Kombiniert medikamentös und chirurgisch

Im Zuge einer raschen operationstechnischen Entwicklung kann immer häufiger anlässlich der diagnostischen Laparoskopie gleichzeitig die Therapie erfolgen: Endometriose-Herde werden mit Strom oder mit Hilfe eines Lasers zerstört, Verwachsungen gelöst, Zysten eröffnet.
Die medikamentöse Behandlung der Endometriose ist vor allem bei geringgradigen und mässiggradigen Formen erfolgreich. Bei schwerer Endometriose, speziell bei zystischer Eierstockbeteiligung, sind aber die Ergebnisse der rein medikamentösen Behandlung unbefriedigend. Aber auch bei der chirurgischen Behandlung sind in diesen Krankheitsstadien dem Chirurgen nicht alle Herde zugänglich. Insbesondere mikroskopisch kleine Herde können vom Chirurgen nicht gesehen werden.
   
In zunehmendem Masse gelangen deshalb chirurgische und medikamentöse Behandlungen kombiniert zur Anwendung.
   
Bei Kinderwunsch sollte die Schwangerschaft sofort nach Therapieende angestrebt werden; die Chancen sind jetzt am besten.
   
Bei anhaltenden Beschwerden und/oder Komplikationen ist eine Radikaloperation die letzte Hilfe. Die operative Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke stellt die einzige, definitive Behandlungsmethode dar, um eine weitere hormonelle Stimulierung der Endometriose-Herde zu vermeiden. Die Eierstock-Entfernung löst Wechseljahrbeschwerden aus, diese können aber durch eine Hormonersatztherapie gelindert werden.

  

  

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung der Firma AstraZeneca AG, Grafenau 10, 6301 Zug.  

  

Hier finden Sie mehr Informationen:  

  • via unsere Links (viel über Endometriose), 




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