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Die Endometriose ist ein komplexes, gutartiges Krankheitsbild welches
trotz intensiver Forschung in vielem immer noch rätselhaft ist. Sie
beeinträchtigt nicht nur das körperliche WohIbefinden, sondern
kann auch seelische Folgen haben, welche eine Partnerbeziehung empfindlich
stören können.
Die Häufigkeit der Endometriose in der weiblichen Bevölkerung
ist unbekannt; man schätzt, dass 47% der Frauen im fortpflanzungsfähigen
Alter daran erkranken.
Der Name Endometriose stammt vom Wort «Endometrium» ab.
Das Endometrium ist die Schleimhaut, die sich in der Gebärmutterhöhle
bildet und jeden Monat mit der Menstruation ausgestossen wird. Wenn Endometrium
ausserhalb der Schleimhautschicht der Gebärmutter vorkommt, spricht
man von Endometriose.
Dorthin gelangt es:
- durch direktes Einwachsen in die Gebärmutterwand
- durch Verschleppung während der Menstruation,
rückwärts über die Eileiter in die Bauchhöhle
- oder über Blut- und Lymphgefässe auch
an entferntere Körperstellen
Man unterscheidet folgende Endometriose-Formen:
- Endometriosis genitalis bei Verteilung
im Bereich der Gebärmutter- wand, der Eileiter, der Haltebänder
der Gebärmutter, der Eierstöcke, auf dem Blasendach und an
anderen Stellen des Bauchfelles im Beckenbereich oder zwischen Scheide
und Enddarm.
- Endometriosis extragenitalis bei Vorkommen
ausserhalb der Fort- pflanzungsorgane, z.B. im Bereich von Darm, Operationsnarben
und ausserhalb der Bauchhöhle.
Ebenso wie die normale Gebärmutterschleimhaut unterliegt auch die
Schleimhaut ausserhalb der Gebärmutterhöhle meistens dem normalen
hormonellen Einfluss der Eierstöcke; sie schwillt an, zeigt Wachstumstendenz
und kann Knötchen bilden. Blutungen (wie bei der Menstruation) verursachen
eine Entzündung und Reizung des umgebenden Gewebes. Oft kommt es
zur Bildung von Narbengewebe und zum Teil zu ausgedehnten Verwachsungen.
Es können sich aber auch sogenannte Endometriome bilden, d.h. Blut,
das nicht abfliessen kann, sammelt sich in Hohlräumen an. Solche
Endometriome finden sich vor allem im Bereich der Eierstöcke. Aufgrund
des dunkelbraunen Inhaltes spricht man auch von «Schokoladezysten».
Wie äussern sich die Beschwerden?
Manchmal fehlen sie völlig.
Häufiger ist jedoch eine Vielzahl an Beschwerden. Das häufigste
Krankheitszeichen ist die, im Laufe des Lebens, schmerzhafter werdende
Monatsblutung (sekundäre Dysmenorrhoe). Darüber hinaus sind
Unterbauchschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (sekundäre
Dyspareunie) typisch. Ebenfalls können Blutungsstörungen vorkommen.
Ein weiteres häufiges Symptom ist die ungewollte Kinderlosigkeit
(Sterilität). 30-40% der Frauen mit Endometriose sind unfruchtbar.
Tatsächlich wird bei vielen, sonst beschwerdefreien Frauen, eine
Endometriose erst entdeckt, wenn sie wegen ausbleibender Schwangerschaft
durch einen Arzt weitere Abklärungen vornehmen lassen.
Die Endometriose kann eine Vielzahl zusätzlicher Beschwerden verursachen,
die insgesamt aber selten sind: schmerzhaftes Wasserlösen, blutiger
Urin, schmerzhafte Darmentleerung, Blut im Stuhl, Darmverschluss und viele
andere mehr. All diese Beschwerden können bei vielen Krankheiten
auftreten. Sie sollten jedoch immer an die Möglichkeit einer Endometriose
denken lassen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Der Endometriose-Verdacht kann nur operativ bestätigt werden, in
der Regel mittels einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei wird, in
Allgemeinnarkose, durch einen etwa 1 cm langen Schnitt im Bauchnabelbereich
ein optisches Instrument in den Bauchraum eingeführt. Mit diesem
können die Bauch- und Fortpflanzungsorgane direkt betrachtet werden.
Auch die Entnahme kleinerer Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung
ist möglich.
Bei der Abklärung ungewollter Kinderlosigkeit wird zusätzlich
ein blauer Farbstoff in die Gebärmutter eingespritzt, um die Eileiterdurchgängigkeit
zu prüfen.
Entsprechend der so ermittelten Diagnose kann ein Behandlungsplan festgelegt
werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine Reihe von Behandlungen hat sich zur Beseitigung von Beschwerden
und zur Eindämmung des Krankheitsbildes als wirksam erwiesen. Eine
endgültige Heilung ist jedoch nicht sicher.
Die Behandlung richtet sich nach:
- Beschwerdebild
- Lokalisation und Ausdehnung der Endometriose
- Alter
- Kinderwunsch der Patientin
Es gibt folgende Behandlungsmöglichkeiten:
Medikamentös:
- symptomatisch (schmerzlindernd)
Entzündungshemmende Schmerzmittel oder moderne Antibaby-Pillen
können Schmerzen lindern; der Krankheitsverlauf der Endometriose
wird aber nicht beeinflusst.
- hormonell - heute kommen vier Präparategruppen
zum Einsatz
Gemeinsam ist all diesen Substanzen, dass
sie am Endometriose-Gewebe zu einem Entzug der Östrogene (Hormon
der Eibläschen) führen, wodurch sich die Endometriose-Herde
zurückbilden. Es kommt zum Einschmelzen und Vernarben der Herde.
Als Zeichen des Hormonentzuges kommt es zum Ausbleiben der Menstruationsblutung;
der Körper befindet sich vorübergehend in einem Zustand ähnlich
der Schwangerschaft (Gestagene) oder der Wechseljahre (Danazol, Gestrinon,
GnRH-Agonisten).
Alle Medikamente sind ähnlich wirksam. Sie unterscheiden sich vor
allem in der Art der Nebenwirkungen, der Anwendungsdauer und der Verabreichungsart.
- Gestagene
Die Behandlungsdauer, in Form einer täglichen Tabletten-Einnahme
oder Spritzenapplikation in ein- bis dreimonatlichen Abständen,
erstreckt sich über mindestens ein halbes Jahr. Die Nebenwirkungen
sind ähnlich den Beschwerden, wie sie vor der Periode auftreten
können: Flüssigkeitsansammlung und Stimmungsschwankungen.
Die häufigsten Nebenerscheinungen sind jedoch gelegentliche
Blutungen, mässige Gewichtszunahme und Blähungen. Nach
Absetzen der Gestagene bleibt der Eisprung unter Umständen
monatelang aus, weshalb diese Therapieart bei Kinderwunsch nicht
angewendet werden soll.
- Danazol
Es unterdrückt die Eierstockfunktion, wodurch der Körper
in einen vorübergehenden, wechseljahr-ähnlichen Zustand
(Pseudomenopause) versetzt wird. Die Auswirkungen auf die Endometriose
sind prinzipiell mit denjenigen der Gestagene identisch. Weil Danazol
dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron ähnelt, kommt
es zu entsprechenden Nebenwirkungen: fettige Haut, Akne, Gewichtszunahme,
vermehrte Behaarung an unerwünschten Stellen, ganz selten zu
einer tieferen Stimme. Die Behandlung umfasst eine Tabletten-Einnahme
(3-4x täglich) während mindestens
6 Monaten. Nach Therapieende bilden sich die Nebenerscheinungen
gewöhnlich zurück.
- Gestrinon
Hinsichtlich Wirkungsmechanismus, Nebenwirkungen und Behandlungsdauer
ähnelt Gestrinon dem oben beschriebenen Danazol. Der Vorteil
liegt darin, dass nur 23x pro Woche eine Kapsel eingenommen
werden muss.
- GnRH-Agonisten (Gonadotropin - Releasing
- Hormon - Agonisten)
In den letzten Jahren ist eine neue
Substanzgruppe zunehmend in den Vordergrund gerückt. Botenstoffe
(Gonadotropine) aus der Hirnanhangsdrüse stimulieren die Eierstöcke
zur Östrogen-Produktion. GnRH-Agonisten unterdrücken die
Ausschüttung dieser Botenstoffe. Dadurch wird die Östrogenproduktion
noch viel stärker unterdrückt als mit den vorher geschilderten
Medikamenten. Die Frau befindet sich in einem wechseljahr-ähnlichen
Zustand. Im Gegensatz zur chirurgischen Entfernung der Eierstöcke
ist die medikamentöse Unterdrückung der Eierstockfunktion
aber nur vorübergehend. Da die Endometriose-Herde nun durch
die Östrogene nicht mehr angeregt werden, können sie schrumpfen
und «ausbrennen». Die Verabreichung der GnRH-Agonisten
erfolgt durch eine monatliche oder dreimonatliche Injektion. Es
handelt sich um sogenannte Depotpräparate, deren Wirkstoff
im Verlaufe eines Monats bzw. 3 Monaten freigesetzt wird. Die Behandlung
dauert 3-6 Monate. Die Nebenwirkungen sind durch das Prinzip der
Behandlung bedingt. Es sind Symptome der frühen Wechseljahre:
Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen, trockene
Scheide. Es kommt auch zu einem geringen Kalziumverlust der Knochen,
welcher sich aber innert einem halben Jahr nach Behandlungsende
wieder ausgeglichen hat.
Neuere Untersuchungen haben gezeigt,
dass eine Hormonersatz-Therapie mit täglich niedrig dosierten
Östrogenen und Gestagenen die Häufigkeit von Nebenwirkungen
wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche, trockene Scheide, Knochendichteverlust
zu reduzieren vermag. Gleichzeitig wird aber die Wirksamkeit (Verbesserung
der Symptomatik) der GnRH-Agonisten nicht beeinträchtigt.
Chirurgisch
Kombiniert medikamentös und chirurgisch
Im Zuge einer raschen operationstechnischen Entwicklung
kann immer häufiger anlässlich der diagnostischen Laparoskopie
gleichzeitig die Therapie erfolgen: Endometriose-Herde werden mit Strom
oder mit Hilfe eines Lasers zerstört, Verwachsungen gelöst,
Zysten eröffnet.
Die medikamentöse Behandlung der Endometriose ist vor allem bei geringgradigen
und mässiggradigen Formen erfolgreich. Bei schwerer Endometriose,
speziell bei zystischer Eierstockbeteiligung, sind aber die Ergebnisse
der rein medikamentösen Behandlung unbefriedigend. Aber auch bei
der chirurgischen Behandlung sind in diesen Krankheitsstadien dem Chirurgen
nicht alle Herde zugänglich. Insbesondere mikroskopisch kleine Herde
können vom Chirurgen nicht gesehen werden.
In zunehmendem Masse gelangen deshalb chirurgische
und medikamentöse Behandlungen kombiniert zur Anwendung.
Bei Kinderwunsch sollte die Schwangerschaft sofort nach Therapieende angestrebt
werden; die Chancen sind jetzt am besten.
Bei anhaltenden Beschwerden und/oder Komplikationen ist eine Radikaloperation
die letzte Hilfe. Die operative Entfernung der Gebärmutter und der
Eierstöcke stellt die einzige, definitive Behandlungsmethode dar,
um eine weitere hormonelle Stimulierung der Endometriose-Herde zu vermeiden.
Die Eierstock-Entfernung löst Wechseljahrbeschwerden aus, diese können
aber durch eine Hormonersatztherapie gelindert werden.
Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung der Firma
AstraZeneca
AG, Grafenau 10, 6301 Zug.
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